K-Tipp-Test: Bio-Milch aus der Ostschweiz am stärksten mit PFAS belastet – das solltest du beim Einkaufen beachten
Ostchweizer Milch mit PFAS belastet: Was du beim Einkaufen wissen musst
Eine aktuelle Untersuchung des Konsumentenschutz-Magazins K-Tipp deckt auf: In sämtlichen getesteten Vollmilchprodukten aus dem Schweizer Detailhandel wurden PFAS-Spuren gefunden. Besonders auffällig – Milch aus der Ostschweiz wies die höchsten Belastungen auf. Doch was bedeutet das konkret für deinen nächsten Einkauf?
Die Testergebnisse im Überblick
K-Tipp liess 15 Vollmilchprodukte auf die PFAS-Verbindungen PFOS und TFA analysieren. Das Ergebnis: Keine der Proben blieb vollständig frei von den sogenannten «ewigen Chemikalien».
| Produktkategorie | Höchstwert PFOS | Region |
|---|---|---|
| Bio Vollmilch Eico Swiss Premium | 12 ng/kg | Ostschweiz |
| Bio Vollmilch Aldi | erhöht | Ostschweiz |
| Bio Qualité Suisse Lidl | erhöht | Ostschweiz |
| Milch Molkereien Bern/Freiburg/Graubünden | niedrigste Werte | Westen/Süden |
«Die höchsten PFOS-Werte fanden sich in Milch aus der Ostschweiz.» – K-Tipp-Test, zitiert nach St. Galler Nachrichten
Besonders die Bio Vollmilch von Eico Swiss Premium stach mit 12 Nanogramm PFOS pro Kilogramm heraus. Auch die Bio-Produkte von Aldi und das Qualité-Suisse-Sortiment von Lidl gehörten zu den stärker belasteten Proben. Die niedrigsten Werte wurden bei Molkereien aus Bern, Freiburg und Graubünden gemessen.
Warum gerade die Ostschweiz?
Die Belastung ist kein Zufall. Forscher der ETH Zürich konnten nachweisen, dass landwirtschaftliche Flächen, die früher mit Klärschlamm gedüngt wurden, deutlich höhere PFAS-Konzentrationen aufweisen. Diese Böden und Wiesen wirken als Reservoir – die Chemikalien gelangen über das Futter in die Milch.
Hintergrund
PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) sind synthetische Chemikalien, die sich weder in der Umwelt noch im menschlichen Körper abbauen. Sie wurden jahrzehntelang in Feuerlöschschäumen, Beschichtungen und Alltagsprodukten eingesetzt.
Dass ausgerechnet Bio-Milch aus der Ostschweiz auffällig ist, mag paradox erscheinen. Eine mögliche Erklärung: Bio-Kühe erhalten mehr Grünlandfutter aus Weidehaltung – direkt von belasteten Böden. Konventionelle Milch stammt häufiger von Kühen mit Silagefütterung, bei der die Herkunft kontrollierter sein kann. Diese Zusammenhänge sind jedoch als Hypothese zu verstehen; die Quellen nennen generell «belastete Böden und Wiesen» als Ursache.
Grenzwerte: Wo steht die Schweiz?
Aktuell gibt es in der Schweiz keine verbindlichen Grenzwerte für PFAS in Milch. Die EU arbeitet daran:
| Substanz | Diskutierter EU-Grenzwert | Status |
|---|---|---|
| PFOS | 20 ng/kg | in Prüfung |
| PFOA | 10 ng/kg | in Prüfung |
Keine der 15 getesteten Proben überschritt den vorgeschlagenen EU-Höchstwert für PFOS von 20 Nanogramm pro Kilogramm. Fünf Produkte erreichten jedoch Werte von 9 Nanogramm pro Kilogramm oder mehr – also knapp unter der Hälfte des diskutierten Limits.
Für Trinkwasser gilt in den USA ein strengerer Massstab: Die EPA (U.S. Environmental Protection Agency) fordert maximal 4 Nanogramm PFOS pro Liter. Ein direkter Vergleich mit Milch (ng/kg) ist jedoch methodisch nicht zulässig, da unterschiedliche Matrixen und Aufnahmewege vorliegen.
Achtung
TFA wurde in allen Produkten nachgewiesen. Die Konzentrationen blieben jedoch unter der dänischen Trinkwasser-Grenze von 9000 ng/L. Coop bezeichnete die Werte als gesundheitlich unbedenklich, während Migros die Aussagekraft des Tests kritisierte. Agri Natura wies darauf hin, dass PFAS ein globales Problem darstellen.
Was bedeutet das für dich als Konsumentin oder Konsument?
Du fragst dich, wie du reagieren sollst? Hier sind konkrete Handlungsoptionen:
- Regionale Herkunft beachten: Milch aus Bern, Freiburg und Graubünden zeigte die niedrigsten Werte im Test – bei deinem nächsten Einkauf lohnt ein Blick auf die Molkerei-Angabe.
- Bio vs. Konventionell neu abwägen: Bio ist nicht automatisch PFAS-freier. Die Testergebnisse zeigen, dass die ökologische Anbaumethode allein keine Garantie vor Umweltkontaminanten bietet.
- Alternativen prüfen: H-Milch unterliegt strengeren Kontrollen, pflanzliche Drinks (Hafer, Soja, Mandel) entfallen ganz aus der tierischen Lebensmittelkette – mit jeweils eigenen ökologischen und ernährungsphysiologischen Abwägungen.
- Transparenz einfordern: Die fehlenden Schweizer Grenzwerte sind ein politisches Problem. Als Konsumentin oder Konsument kannst du dich bei deinen Stimmen für eine verschärfte Regulierung einsetzen.
Tipp für den Einkauf
Achte auf die Molkerei-Angabe am Etikett. «Hergestellt in der Ostschweiz» oder konkrete Angaben zu St. Gallen, Thurgau oder Appenzell können – angesichts der aktuellen Daten – ein Hinweis auf erhöhte Prüfbedürftigkeit sein.
Fazit: Kein Grund zur Panik, aber zum Hinschauen
Die gemessenen PFAS-Werte liegen unter den diskutierten EU-Grenzwerten. Dennoch zeigt der K-Tipp-Test ein strukturelles Problem: «Ewige Chemikalien» haben sich in der Schweizer Landwirtschaft etabliert, und die Ostschweiz ist davon besonders betroffen. Für dich als Konsumentin oder Konsument bedeutet das: informiert einkaufen, regionale Unterschiede nutzen und politischen Druck für verbindliche Grenzwerte aufrechterhalten.
Quellen:
- St. Galler Nachrichten – Konsumentenschutz-Test: Ostschweizer Milch am stärksten mit PFAS belastet (Sekundärbericht, 24.06.2026)
- Test: Auch in Bio-Milch hats giftige Chemikalien
- U.S. EPA – PFAS National Primary Drinking Water Regulation
- ETH-Studie zu Klärschlamm und PFAS-Belastung landwirtschaftlicher Flächen
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