Die Schweiz das Land der Armen und Reichen?

Fast jede zweite junge Erwachsene in der Schweiz lebt von Lohnzahlung zu Lohnzahlung – trotz hohen Löhnen und einem der weltweit höchsten Lebensstandards. Eine neue Deloitte-Umfrage zeigt, wie sich finanzielle Unsicherheit und ein neues Werteverständnis in der jungen Generation überschneiden. Was das für dich als Konsumentin oder Konsument bedeutet – und warum der Titel vom «Land der Armen und Reichen» nicht ganz zutrifft.

Hohe Löhne, hohe Sorgen

Die Zahlen sind ernüchternd: 49 Prozent der Gen Z und 48 Prozent der Millennials in der Schweiz kommen finanziell nicht über den Monat hinaus. Sie leben von Lohnzahlung zu Lohnzahlung, obwohl sie in einem der reichsten Länder der Welt arbeiten. Noch gravierender: 31 Prozent der Gen Z und 41 Prozent der Millennials fühlen sich finanziell nicht abgesichert – Werte, die deutlich über dem internationalen Durchschnitt liegen.

Diese Diskrepanz zwischen äusserem Wohlstand und innerer Unsicherheit prägt das Bild. Die Schweiz gilt als Wohlstandsinsel, doch für viele Junge scheint dieser Wohlstand unerreichbar.

Lebensplanung auf Eis

Die finanzielle Unsicherheit hat konkrete Folgen für das Privatleben. 46 Prozent der Gen Z und sogar 60 Prozent der Millennials haben wichtige Entscheidungen verschoben – sei es die Heirat, die Familienplanung oder eine Weiterbildung. Das Eigenheim gilt für die meisten als ausser Reichweite: 54 Prozent der Gen Z und 53 Prozent der Millennials glauben, sich kein eigenes Haus oder keine eigene Wohnung leisten zu können.

Die Werte liegen deutlich über dem internationalen Durchschnitt – die Schweiz bildet hier keine Ausnahme, sondern eher ein Extrem.

Dabei ist die Einschätzung der Immobilienpreise subjektiv: Die Deloitte-Studie belegt, dass viele Junge den Kauf für unmöglich halten, nicht dass Schweizer Preise global die höchsten sind. Für eine solche Aussage fehlen vergleichende Länderdaten in der Studie.

Karriere? Nein danke, lieber Work-Life-Balance

Ein weiterer Befund fällt im internationalen Vergleich auf: 23 Prozent der Gen Z und 20 Prozent der Millennials nennen Work-Life-Balance als primäres Lebensziel – noch vor dem Karriereaufstieg. Nur 33 Prozent bzw. 26 Prozent streben stetigen beruflichen Fortschritt an, während dies global bei 44 bzw. 45 Prozent der Fall ist.

Michael Grampp, Chefökonom bei Deloitte Schweiz, wertet diesen Trend als Warnsignal für den Wirtschaftsstandort. Die Kombination aus geringer Karriereorientierung und hoher Work-Life-Balance-Erwartung könnte den Arbeitsmarkt langfristig verändern.

Die Umfrage wurde in 44 Ländern mit insgesamt 22’595 Personen durchgeführt, davon 400 aus der Schweiz. Bei einer Stichprobe dieser Grösse für ein ganzes Land sind die Ergebnisse als Tendenz, nicht als repräsentativ für alle jungen Schweizerinnen und Schweizer zu lesen. Regional unterschiedliche Lebenshaltungskosten oder Einkommensniveaus werden nicht differenziert erfasst.

Was bedeutet das für dich als Konsumentin oder Konsument?

Die Studie offenbart eine Polarisierung – aber nicht unbedingt zwischen «Arm» und «Reich» im klassischen Sinn. Vielmehr entsteht eine Kluft zwischen vermeintlichem Wohlstand und gefühlter finanzieller Sicherheit. Wer in der Schweiz gut verdient, kann dennoch angesichts von Mieten, Krankenkassenprämien und Lebenshaltungskosten unter Druck geraten.

Konkret kannst du folgendes tun:

  • Budget transparent führen: Apps wie diejenigen der Schweizer Kantonalbanken oder unabhängige Tools helfen, Ausgaben zu kategorisieren und Sparpotenziale zu erkennen.
  • Wohnkosten prüfen: Die Mietzinsen in der Schweiz sind hoch, aber regional stark unterschiedlich. Ein Umzug in einen Nachbarkanton kann die Wohnkosten spürbar senken.
  • Wohneigentumsförderung recherchieren: Jeder Kanton hat eigene Regelungen für den Wohnbauförderbeitrag bzw. für zinsgünstige Darlehen. Die Seite bauenundwohnen.ch bietet einen Überblick über kantonale Programme.
  • Berufliche Weiterbildung prüfen: Stiftungen wie die Stiftung für Weiterbildung unterstützen finanziell bei Ausbildungen, wenn der Arbeitgeber nicht zahlt.
  • Teilzeitarbeit bewusst wählen: Fast ein Fünftel der Befragten arbeitet nicht Vollzeit oder in Festanstellung – dies kann strategisch sein, sollte aber mit der AHV-Rentenplanung abgeglichen werden.

Nutze unseren Lohnrechner, um dein Nettoeinkommen mit den durchschnittlichen Lebenshaltungskosten in deinem Kanton zu vergleichen.

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Fazit: Kein Land der Armen und Reichen – aber mit Blindstellen

Der Titel «Die Schweiz das Land der Armen und Reichen?» greift zu kurz. Die Deloitte-Studie zeigt keine Einkommenspolarisierung der Gesamtbevölkerung, sondern eine Generation junger Erwachsener, die trotz relativen Wohlstands finanziell unsicher ist. Die Ursachen liegen in den hohen Lebenshaltungskosten, den Immobilienpreisen und einem sich wandelnden Werteverständnis.

Für dich als Konsumentin oder Konsument bleibt entscheidend: Die Schweiz bietet wirtschaftliche Chancen, verlangt aber aktive finanzielle Planung. Wer die Strukturen kennt – von kantonalen Förderprogrammen bis zu Sparstrategien – kann die Lücke zwischen Einkommen und gefühlter Sicherheit schliessen.


Quellen:

Über den Autor

Julian

Julian ist unser Spar-Fux! Er jagt jedem Deal nach, recherchiert, vergleicht, prüft und berichtet. In seiner Freizeit reist er gerne, egal ob Nah oder Fern. Outdoor, Sport und gute Freunde halten ihn fit.

Interessen: outdoor · sport · familie · kinder · reisen · sparen · geld